Spuographie

Spu(, der)

Der Spu wird 1978 in der Stadt der Champagnerluft und Tradition in eine Steuerberaterfamilie geboren. Im Alter von vier Monaten zieht es ihn gen Norden, ins Oldenburger Münsterland. Vier Jahre später zieht er weiter durch die katholische Hoch(oder vielmehr Flach-)burg und versucht, mit dem Tennisschläger in der Hand in die Fußstapfen des rothaarigen Sportidols der Nation zu treten. Nicht nur im sportlichen Talent, nein auch im Erfolg beim anderen Geschlecht steht er seinem Vorbild hierbei bis heute in nichts nach, doch als es im Alter von acht Jahren dann zurück in die hessische Heimat geht muss er den Schläger an den Nagel hängen.

Stattdessen startet er eine Karriere als Stand Up Comedian, gibt sein Programm um einen gewitzten Waschmaschinenverkäufer jedoch bald zu Gunsten der Musik wieder auf. Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen von Milli Vanilli steht er zur Stimme vom Band und nimmt damit, gemeinsam mit seiner (Nicht-)Gesangspartnerin, die Mini Playback Show um einige Jahre voraus, ohne hierfür jemals Tantiemen zu bekommen.

Während einem kurzen Intermezzo in Mexiko werden deutsche Baseballscouts auf das sportliche Multitalent aufmerksam. Er entscheidet sich dafür sich den Hornets, dem jungen, aufstrebenden Verein seiner Heimatstadt anzuschließen und nicht zuletzt durch die Grundsteine seiner Pionierarbeit in der Juniorenmannschaft schafft es der frisch gegründete Verein in späteren Jahren bis hinauf in die höchste deutsche Spielklasse.

Er beschränkt sich dann erst einmal auf weitere Kurzstreckenumzüge, bis es ihn irgendwann über den großen Teich treibt. Zurück ins gelobte Land. Oder zumindest zu den Mormonen.

Auch an der High School besticht der Ausnahmeathlet durch Vielseitigkeit. Vertritt seine Schule nicht nur auf dem Footballfeld und Basketballcourt, sondern auch als Schwimmer, Ringer und Gewichtheber. Abseits der Sportfelder betätigt er sich als Aushilfslehrer für seine Muttersprache; studiert mit seinen Schülern den Faust ein, denen für ihre Lesung bei einem staatlichen Wettbewerb eine exzellente Leistung bescheinigt wird.

Doch was ein einfaches High-School-Jahr werden soll entpuppt sich bald als schicksalhaftes Ereignis. Aus Versehen schreibt er sich für den Kurs „Stage Crew“ ein und verbringt so das komplette Jahr am Theater seiner Schule. Arbeitet sich vom lebenden Vorhangmotor, über alle Jobs die es hinter den Kulissen der Bretter, die die Welt bedeuten gibt bis hinauf in die Tonregie. Eine Passion ist geboren. Wenn er nach dem Unterricht selbst nichts am Theater zu tun hat, bleibt er um die Proben der Schauspielschüler zu beobachten. Trotz der regelmäßigen Produktion von Videoberichten in die Heimat (auch von YouTube wird er niemals einen Cent bekommen) ist er sich über seinen späteren Werdegang noch nicht bewusst.

Wieder in good ol´ Germany besucht er ein Wirtschaftsgymnasium im naheliegenden Mainhatten, jobbt währenddessen an der Börse der Bankenhauptstadt und erlebt somit den Niedergang des Neuen Marktes aus direkter Nähe. Nebenher frönt er weiter seiner Leidenschaft aus frühster Kindheit und saugt inzwischen nicht mehr nur Filme, sondern auch alles auf, was mit deren Machart zu tun hat.

Da er sich schon seit frühster Jugend für den Schutz bedrohter Lebewesen einsetzt startet er eine Expedition ins exotische Holland um hier erstmalig die Verhaltensweisen des gemeinen Hasenjägers zu dokumentieren und auf Film zu bannen. Nebenher entwickelt er sein erstes serielles Küchenformat.

Dann wird er einberufen, bzw. findet endlich Zeit dem Ruf seines Heimatlandes zu folgen, das schon seit seinem Aufenthalt in der Stadt des salzigen Sees um seine Dienste buhlt. Trotz engen Beziehungen ins kommunistische, süd-ost-europäische Ausland wird er nach nur einem Verhör als vertraulich genug eingestuft um die streng geheimen Aufgaben eines Fernmelders antreten zu dürfen.

Während dieser Zeit, im Schlamm der Wälder der lahnsteinschen Front, in dem sein durch stetigen Schuhcrememangel geschundener, um 20 Kilo abgemagerter Körper nur knapp dem Feuertod im eigenen Lager entkommt erkennt er endlich seine Berufung zum Film.

Direkt nach Ende seiner Dienstzeit heuert er hinter dem Steuer einer russischen Variante eines Jeeps bei einer zweiwöchigen Filmproduktion tief (oder vielmehr hoch) in den verschneiten bayrischen Alpen an. Seine Ausbildung als Führer von allradbetriebenen Geländefahrzeugen aus simulierten Kriegs-, halt, Verteidigungsfallzeiten rettet ihm hierbei mehrfach das Leben.

Auf verschiedene Jobs als Rennfahrer, Mikrofonständer und Assi in diversen Variationen folgt dann irgendwann, das Filmstudium im Ruhrpott, in dem er in seinem Burton´eskem Erstlingsfilm „Die Macht der Malerei“ ein Gespür für ausgefallene Stoffe beweist. Dramaturgiedozenten reißen sich darum die Bildsprache des Kurzfilms zu lehren.

Sein zweiter Film „Alice“, die fiktive Entstehungsgeschichte des Literaturklassikers „Alice im Wunderland“ hingegen scheint von vorn herein unter einem schlechten Stern zu stehen und gerät zum mittleren Fiasko.

Doch wie Phönix aus der Asche erhebt sich der Jungregisseur, der sich inzwischen auch als Imagefilmregisseur einen Namen gemacht hat, mit seinem preisgekröntem Diplomfilm „Die Leeze“ zu neuen Höhen. Filmfestivals stehen schon vor Fertigstellung des „ultimativen Münster-Fahrradfilms“ Schlange um ihn uraufzuführen.

Nach einem kurzem Durchatmen in der heimatlichen Champagnerluft zieht es ihn 2010 in die westliche Medienhauptstadt des deutschen Landes, nach Köln, wo er sich auf der Suche nach neuen Aufgaben dem Beruf des Regieassistenten widmet…

to be continued

P.S.: Ist es nicht toll, über sich selbst in der dritten Person zu schreiben?

P.P.S.: Den hier nicht vergessen: ;-)

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